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Macrotylus bicolor (Fieber, 1861) (Heteroptera: Miridae), eine hoch spezialisierte Wanzenart aus dem westlichen Mittelmeerraum

Macrotylus bicolor (Fieber, 1861) (Heteroptera: Miridae), eine hoch spezialisierte Wanzenart aus dem westlichen Mittelmeerraum

Macrotylus bicolor(Fieber 1861) (Heteroptera: Miridae) – eine hoch spezialisierte Wanzenart aus dem westlichen Mittelmeerraum

Macrotylus bicolor(Fieber 1861) (Heteroptera: Miridae) – un chinche muy especializado con una distribución mediterránea occidental

 

Oliver Katenhusen

katenhusen@htp-tel.de

 

ZUSAMMENFASSUNG:Macrotylus bicolor ist eine hoch spezialisierte Wanzenart, die nur im westlichen Mittelmeerraum vorkommt. Nach den bisher vorliegenden Daten von der Iberischen Halbinsel scheint die Wanze ausschließlich an Carthamus arborescens zu leben und in ihrer Verbreitung streng an das Vorkommen dieser Distel gebunden zu sein. Denn ebenso wie ihre Wirtspflanze ist Macrotylus bicolor nur aus dem Süden und Südosten Spaniens bekannt. Allerdings lassen Fundmeldungen aus Algerien und Frankreich die Möglichkeit offen, dass Macrotylus bicolor auch auf anderen Distelarten lebt und auf der Iberischen Halbinsel möglicherweise eine weitere Verbreitung besitzt.

Schlüsselwörter: Macrotylus bicolor, Miridae, Wanze, Carthamus arborescens

RESUMEN:Macrotylus bicolor es un chinche muy especializado con una distribución limitada al Mediterráneo occidental. En la Península Ibérica Carthamus arborescens parece la planta nutricia limitante de la distribución de Macrotylus bicolor. Al igual que este cardo Macrotylus bicolor sólo ocurre en el sur y sureste de la Península. Pero siguiendo las citas de Argelia y Francia queda la posibilidad que Macrotylus bicolor también viva sobre otros cardos y tiene una distribución más amplia en la Península Ibérica.

Palabras Clave: Macrotylus bicolor, Miridae, Heteroptera,chinche, Carthamus arborescens

Wie bei anderen Insektengruppen gibt es auch bei den Wanzen ausgesprochene „Nahrungsspezialisten“. Sehr verbreitet ist die Spezialisierung auf bestimmte Nahrungspflanzen bei der Familie Miridae. Die Vertreter dieser Familie werden im Englischen deshalb auch als Plant Bugs, also als „Pflanzenwanzen“, bezeichnet. Viele der weltweit mehr als 10.000 Arten aus der Familie finden sich nur an ganz bestimmten Pflanzenarten oder -artengruppen, von denen sie sich ernähren.

Foto 1: Adulte Tiere und Nymphen von Macrotylus bicolor (Vicar, Almería, 01.01.2011) (F. Rodriguez, 2011)

http://www.biodiversidadvirtual.org/insectarium/Macrotylus-bicolor.-img1...

Ein Beispiel für solch eine hoch spezialisierte Wanze ist Macrotylus bicolor (Fieber, 1861). Diese nur knapp 3 mm lange Wanze verdankt ihren Artnamen bicolor (= zwei Farben) dem deutlichen Zeichnungskontrast mit einem schwarzen Grundton und blassgelben Flügeln (s. Foto 1). Fotos von Macrotylus bicolor finden sich im Internet fast nur bei BiodiversidadVirtual.org. Diese wurden jeweils im Zeitraum von Januar bis Juni aufgenommen und zeigen neben den adulten Tieren z.T. auch die schwarz-grünlichen Nymphen.

Schon Fieber (1861), der die Art „entdeckt“ hat, stellte vor über 150 Jahren fest, dass Macrotylus bicolor auf „gelbblühenden Disteln“ auftritt. Sofern bei den Funddaten von BiodiversidadVirtual.org eine Habitatpflanze aufgeführt wird, handelt es sich ausnahmslos um die bis 2 m hoch werdende Distel Carthamus arborescens (s. Foto 2). Auch vom Verfasser dieses Artikels wurde Macrotylus bicolor an dieser Distel und zwar an den oberen Teilen der Pflanze und insbesondere an den Hüllblättern der Blütenköpfe gefunden. Wie auch andere Autoren berichten, tritt Macrotylus bicolor an seinen Fundorten meist sehr gesellig und in großer Anzahl auf.

Foto 2: Carthamus arborescens, die Wirtspflanze von Macrotylus bicolor auf der Iberischen Halbinsel (Sierra de la Muela, Murcia, 18.04.2011, Foto: O. Katenhusen)

http://www.biodiversidadvirtual.org/herbarium/Carthamus-arborescens-L-im...

Carthamus arborescenskommt in den küstennäheren Bereichen im Süden und Südosten der Iberischen Halbinsel (vgl. Karte 1) und darüber hinaus in Marokko und Algerien vor. Aus Karte 1 wird deutlich, dass das bekannte Areal von Macrotylus bicolor auf der Iberischen Halbinsel anscheinend unmittelbar von der Verbreitung seiner Wirtspflanze Carthamus arborescens bestimmt wird.

Karte 1

Pie de mapa: Verbreitung von Macrotylus bicolor undCarthamus arborescens auf der Iberischen Halbinsel (auf Basis von Nachweisen bei BiodiversidadVirtual.org)

Außerhalb der Iberischen Halbinsel sind Nachweise von Macrotylus bicolor lediglich noch aus Frankreich und Algerien bekannt (Wagner & Weber 1964, FaunaEuropaea.org, DiscoverLife.org).  Für Frankreich, wo  Carthamus arborescens allerdingsgar nicht vorkommt. zitieren Wagner & Weber (1964) eine alte Fundortmeldung aus dem Jahr 1894 aus dem Departement Haute-Garonne (Toulouse) und geben an, dass zur Biologie von Macrotylus bicolor wenig bekannt sei und die Art auf Korbblütlern (Compositae) lebe. Die französische Fundmeldung bei DiscoverLife.org ist  schwierig zu beurteilen, da weder ein Fundort oder -datum noch ein Sammler oder eine Wirtspflanze angegeben werden. Für den Fundort von Macrotylus bicolor aus Algerienwirdals Wirtspflanze nicht Carthamus arborescens, sondern die nah verwandte, ebenfalls gelb blühende Distel Carthamus lanatus angegeben. Diese ist im gesamten Mittelmeergebiet verbreitet und tritt auf der Iberischen Halbinsel nicht nur im Süden und Südosten, sondern auch im Zentrum und Norden auf. Funde von Macrotylus bicolor gibt es aus diesen Bereichen jedoch nicht. Auch Goula et al. (2010) geben Macrotylus bicolor für Katalonien nicht an.

Wie die Fundmeldung aus Algerien zeigt, scheint Macrotylus bicolor zumindest außerhalb Spaniens nicht an Carthamus arborescens gebunden zu sein. Dadurch ergeben sich im Hinblick auf die Verbreitung auf der Iberischen Halbinsel die beiden folgenden Fragen:

-         Lebt Macrotylus bicolor eventuell auch auf Carthamus lanatus oder anderen Disteln?

-         Gibt es Vorkommen von Macrotylus bicolor außerhalb des bisher bekannten Areals? Sollte die Wanze tatsächlich auch noch in Frankreich vorkommen, wären eventuell auch Nachweise z.B. in Zentral- oder Ostspanien zu erwarten.

Zur Klärung dieser Fragen sind Fundortmeldungen mit Fotos und Angaben zur Habitatpflanze sehr willkommen!

Dank.Mein besonderer Dank gebührt Luis Vivas, der mir die Möglichkeit bot, diesen Artikel zu veröffentlichen. Zudem fertigte er die Verbreitungskarte an und unterstützte mich bei der Abfassung der spanischsprachigen Zusammenfassung.

 

Bibliografía

BiodiversidadVirtual.org: Macrotylus (A.) bicolor (Fieber, 1861). http://www.biodiversidadvirtual.org/insectarium/Macrotylus-A-bicolor-Fieber-1861-cat15447.html– Zugriff am 16.07.2012

DiscoverLife.org: Macrotylus bicolor.http://www.discoverlife.org/mp/20m?kind=Macrotylus+bicolor– Zugriff am 16.07.2012

FaunaEuropaea.org: Macrotylus (Alloeonycha) bicolor (Fieber 1861),  http://www.faunaeur.org/full_results.php?id=451288- Zugriff am 16.07.2012

Fieber, F.X. (1861). Die europäischen Hemipteren. 444 p., Wien

Goula, M., Ribes, J. & Serra, A. (2010). Llista dels Heteròpters de Catalunya (Insecta, Hemiptera, Heteroptera). Versió 1, juny 2010. 39 p., Barcelona

Wagner, E. & Weber, H.H.(1964): Heteropteres Miridae. - Faune de France 67: 591p. Paris